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Burgtheater Wien | nachtkritik.de

altPrivatsphäre gleich Null

von Martin Thomas Pesl

Wien, 28. Januar 2012. Es steht ganz genau drin bei Tennessee Williams, wie er sich das Setting vorstellt zu seiner "Endstation Sehnsucht": Eine Seite lang beschreibt er das erste Bild, seine Regieanweisungen betreffen kleinste Details, Requisiten, Bewegungen. Da ist das heruntergekommene Haus, dessen Untergeschoss wir einsehen, mit Wohnküche und einem Schlafzimmer, das nur durch einen Vorhang als zweiter Raum definiert ist. Ein ganzes Haus, ein ganzes Leben passt auf eine Bühne. Genau so hat Karl-Ernst Herrmann die Bude am Burgtheater auch hingestellt und eingerichtet, detailgenau, aber karg: eine babyrosa Tapete, die schon begonnen hat, sich abzulösen, Tisch, Bett, Herd, Ventilatoren und, hinter Milchglas halb einsehbar, ein kleines Bad.