Renaissance Theater Berlin
Entartete Kunst - Das Renaissance-Theater Berlin rollt mit einem Drama des Oscar-Preisträgers Ronald Harwood den Raubkunstfall Gurlitt auf
In Fafners Höhle
von Wolfgang Behrens
Berlin, 4. Oktober 2015. Die Geschichte seines Vaters sei, so sagt es Cornelius Gurlitt in "Entartete Kunst" einmal, "eine tragische Geschichte von epischen Dimensionen." Und, ja, Hildebrand Gurlitt, das ist in der Tat eine Figur von epischer Größe – weniger wegen der Tragik seiner Geschichte als vielmehr wegen des moralischen Zwielichts, in das sie getaucht ist: ein erfolgreicher Museumsdirektor, der 1933 wegen seines Einsatzes für die moderne Kunst und wegen einer jüdischen Großmutter von den Nationalsozialisten aus dem Amt gedrängt wurde; in der Folge ein Kunsthändler, der unter der Hand weiter mit der als "entartet" eingestuften Kunst Geschäfte macht; einer, der sich schließlich – trotz des jüdischen Anteils in der Familie – dem Regime anzudienen versteht, in dessen Auftrag beschlagnahmte Kunst verkauft, alsbald sogar als Einkäufer für das geplante Linzer "Führermuseum" in Frankreich unterwegs ist – und nebenbei jede Menge Raubkunst auf die Seite schafft. Um sie zu bewahren? Um sie – wie es nach dem Krieg, da er in Ehren wieder als Museumsleiter eingesetzt wird, weit eher aussieht – einfach für sich selbst zu behalten?